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Stellungnahme der Landesarbeitsgemeinschaft für Mädchen*arbeit

Wir brauchen mehr solidarische und herrschaftskritische (Schutz-) Orte und Bündnisse in der (Offenen) Kinder- und Jugendarbeit!

Wo und wie können rassistisch markierte Menschen sich sicher fühlen? Eine Frage, die uns (vor allem BPoC-Mitarbeiter*innen) gerade in der letzten Zeit wieder umtreibt. Das Ausmaß an rassistischer und (hetero-/cis-)sexistischer Gewalt verschlägt uns den Atem: die rassistische Ermordung von Menschen in Hanau, die Aufdeckung der rechten Terrorzelle in Hamm, die Angriffe auf Moscheegemeinden in Deutschland, der Anschlag auf die Synagoge in Halle, die Ermordung von migrantischen trans Sexarbeiter*innen in Berlin, das Sterben und Leiden geflüchteter Erwachsener und Kinder an den Grenzen... Und diese Aufzählung ist nur ein Ausschnitt aus all den grausamen und entsetzlichen Ereignissen der letzten Zeit. Sie machen deutlich, dass die Orte, an denen BPoC und migrantisierte Menschen sich sicher fühlen, unter Beschuss stehen: Rückzugs- und Schutzräume bröckeln und sind in Gefahr. Es zeigt sich aber auch, dass es nicht für alle Menschen sichere Orte gibt!

 

Zunehmend machen laute Stimmen sichtbar, dass mediale und öffentliche Diskurse diese rassistischen und (hetero-/cis-)sexistischen Angriffe ermöglichen. Die permanente und systematische Kriminalisierung und Stigmatisierung von Muslim*innen, Rom*nja und Sinti*zze, Schwarzen Menschen, Jüd*innen und migrantisierten Menschen sowie ihrer Rückzugs- und Schutzorte bereiten den Nährboden für Gewalt. Diejenigen, die an der Reproduktion dieser Diskurse mitwirken, legitimieren Gewaltexzesse an den sogenannten »Fremden«.

 

Auch im Kontext der (Offenen) Kinder- und Jugendarbeit und in der Mädchen*arbeit finden sich diese Formen der strukturellen Gewalt und der Ignoranz von Rassismus. In einem rassistischen und (hetero-/cis-)sexistischen Sprachgebrauch und den daran anknüpfenden Ausgrenzungs- und Abwertungsmechanismen zeigt sich die Anschlussfähigkeit von rechtsextremen Denkweisen und Praktiken. Unsere Haltung dazu war und bleibt: rassistische und rechte Aussagen und Handlungen zu tolerieren, ist unterlassene Hilfeleistung! Unsere Gedanken sind in diesen Tagen besonders bei den Mädchen* und Jugendlichen, die sich angesichts dieser traumatisierenden Ereignisse fragen: Wer setzt sich für UNSEREN Schutz, für UNSERE Sicherheit, für UNSER Wohlbefinden ein? Wenn Jugendliche und Fachkräfte angesichts des rassistischen und rechten Terrors Angst, Trauer und Wut empfinden, muss es Räume und Möglichkeiten geben, diese zu äußern und miteinander zu besprechen.

 

Eine Strategie, zu der auch wir immer wieder zurückfinden, ist die bewusste Ausrichtung auf Menschen, Fachkräfte und Gruppen, mit denen wir und die mit uns aktive Bündnisarbeit leisten wollen. Wir denken, in der (Offenen) Kinder- und Jugendarbeit braucht es insgesamt mehr konkret verbündete Fachkräfte, die sich aus einer empowermentorientierten und privilegienkritischen Haltungsarbeit heraus aktiv und solidarisch für eine rassismuskritische Mädchen*politik sowie Kinder- und Jugendpolitik einsetzen. Dafür braucht es keine Lippenbekenntnisse sondern fortlaufende Arbeit an Haltungen, Strukturen und Bündnissen!

 

Für unsere tägliche Verbündetenarbeit im Kontext von Gewalt- und Herrschaftskritik beziehen wir uns u.a. auf die black lives matter-Bewegung, die für die Kultivierung solidarischer Bündnisarbeit die Haltung »move with the speed of trust« geprägt hat. Eine solche Haltung scheint im Widerspruch zu stehen zu der Notwendigkeit schnelle Lösungen zu finden und handlungsfähig zu bleiben. Für uns ist als Mitarbeiter*innen der LAG Mädchen*arbeit aber klar, dass wir Wege finden wollen, um unsere Arbeit, auch in diesen bedrohlichen Zeiten und auf lange Sicht hin, leisten zu können. Das beinhaltet, dass wir uns trotz Handlungsdruck die Zeit nehmen wollen, inne zu halten, um auch unsere Rat- und Hilflosigkeit wahr- und anzunehmen und um uns fachpolitisch immer wieder weiter zu entwickeln. Wir wollen selbst solidarisch und als Verbündete und Bündnispartner*innen anwesend sein und dazulernen und diese Energie wollen wir immer wieder und trotz alledem verlässlich aufbringen. Also fordern wir weiterhin, resultierend aus der Erfahrung rassismuskritischer Mädchen*arbeit, dass Schutzräume immer wieder – mal mehr, mal weniger – unter Verdacht und Legitimierungsdruck stehen:

 


Das Team der Landesarbeitsgemeinschaft für Mädchen*arbeit in NRW


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